KLARHEIT INS INNERE CHAOS BRINGEN

Für sensitive Menschen ist die Welt oft ein überfordernder Ort. Und nicht selten hallt genau die äussere Unruhe noch lange innerlich nach. Und kaum hat man sich wieder einigermassen reguliert, wird man schon vom nächsten Ereignis aufgewühlt.

Die Reaktion darauf ist oft ein tiefes Bedürfnis, einfach mal in Ruhe gelassen zu werden - und nicht selten auch Frust darüber, wie unsensibel und laut viele Mitmenschen und die Umwelt ist.

Sich im Alltag genügend Raum zu schaffen, in dem man sich regulieren und regenerieren kann, ist ein wichtiger Schritt, um ruhiger zu werden. Und wo das möglich ist, auch eine bewusste Selektion des Umfelds, in dem man sich bewegt, privat und beruflich.

Aber alle äussere Veränderung wird nicht die ersehnte Veränderung mit sich bringen, solange keine Auseinandersetzung mit den eigenen Themen stattfindet, die in all den überreizenden Situationen getriggert werden.

Denn das tiefere Problem ist das Chaos in sich selbst, welches mit dem Lärm im Aussen in Resonanz geht.

Wirkliche Ruhe finden kann deshalb nur, wer Klarheit ins innere Chaos bringt.

Aber wie geht das? Der erste Schritt besteht darin, dass du zwischen störenden Umständen im Aussen und dem dadurch berührten Lärm in dir unterscheiden kannst. Konkret heisst das, dass du dir bewusst wirst, wann Gefühle in dir hochkommen, die mit früheren Ereignissen zusammenhängen - und verstehst, dass diese erkannt und verarbeitet werden möchten.

Ein Beispiel: Eine Freundin oder Verwandte gibt dir subtil oder direkt das Gefühl, nicht gut zu sein. Sie vermittelt mit ihrem Verhalten den Eindruck, dass du falsche Entscheidungen triffst und dass es dir schon lange besser gehen würde, wenn du die Dinge so angehen würdest wie sie.

Einerseits ist es nun wichtig, das direkt anzusprechen (falls das mit der betreffenden Person möglich ist) und - falls das öfters vorkommt - zu überdenken, in welcher Beziehung du zu ihr stehen möchtest. 

Andererseits kommst du in so einer Situation sehr stark mit Gefühlen aus früheren, prägenden und traumatischen Situationen in Kontakt.

Wenn du nun die ganze Wucht deiner Emotionen undifferenziert auf die Situation im Aussen projizierst, wirst du dich ausgeliefert fühlen. Du kannst das Verhalten von anderen nicht kontrollieren - und jemand hat dir gefühlt diese schlimmen Zustände angetan.

Wenn du aber zwischen der aktuellen Situation und den Gefühlen aus früheren Ereignissen differenzierst, erkennst du die Gelegenheit zur Verarbeitung und Integration. Du begegnest diesen Gefühlen dadurch anders - mit Interesse, Verständnis und Empathie, anstatt mit Ohnmacht und Überforderung.

Dieser Unterschied ist oft subtil, aber er ist so kraftvoll! Denn aus einer objektiven Perspektive wird es dir zum ersten Mal möglich, dich von diesen Gefühlen wirklich berühren zu lassen und ihnen aufrichtig zu begegnen.

Und mit jedem Mal, wo dies geschieht, verarbeitest du die getriggerten Ereignisse und Gefühle ein Stück weiter. Und dadurch verändert sich deine Reaktion auf ähnliche Ereignisse in der Zukunft nachhaltig zum Positiven.

Denn das innere Chaos, welches durch den äusseren Lärm getriggert wird, sind diese unverarbeiteten Prägungen und Gefühle.

 Und anders als bei einem Grossteil vom Lärm in der Welt liegt es in deinem Innern direkt in deinen Händen, Ordnung ins Chaos zu bringen.

 Die Welt mag laut bleiben - aber wer sein inneres Chaos wirklich aufarbeitet, wird nicht stiller, weil die Welt leiser wird. Sondern weil er in sich eine Ruhe findet, die tiefer gründet, als aller Lärm der Welt.

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DAS TIEFE GLÜCK FINDEN