ZWISCHEN AUSGELIEFERT SEIN UND VERTRAUEN

Wie oft finden wir uns in Situationen und Zuständen wieder, die sich einfach nicht richtig anfühlen. Gesundheitliche oder finanzielle Probleme beispielsweise. Momente, in denen wir uns fragen, was falsch gelaufen ist, dass wir hier gelandet sind.

 Wir suchen die Antwort bei uns selbst, indem wir uns vielleicht Vorwürfe für bestimmte Entscheidungen machen. Für Dinge, die wir getan oder versäumt haben. Oder wir suchen sie bei anderen, werden wütend darüber, was andere getan oder versäumt haben - und manchmal bleibt nur noch die Wut auf das Leben selbst, weil wir auf niemanden sonst so richtig mit dem Finger zeigen können.

 Das Ergebnis bleibt dasselbe, egal wen oder was wir verantwortlich machen: Wir fühlen uns ausgeliefert und erleben unsere Situation als ausweglos. Und wenn du darüber reflektierst, was diese Situationen und Zustände, die sich nicht richtig anfühlen, so schlimm macht, erkennst du, dass es genau diese Gefühle sind - Ausgeliefertsein und Ausweglosigkeit.

 Das Leben lässt sich mit einer Achterbahn vergleichen - mit Höhen und Tiefen und rasanten Wechseln von Umständen, die es immer wieder mit sich bringt. Die entscheidende Frage ist: Kann man diesem Prozess vertrauen?

 Stell dir vor, das Leben wäre bewusst und liebevoll. Es wäre wirklich auf deiner Seite - auch wenn es dich fordert und dir schwierige Situationen bringt. Du wüsstest, dass alles, was passiert, in einer tieferen Weise Sinn macht. Stell dir das nicht als Theorie vor, sondern fühle es. Fühle, wie du das Leben als pulsierende, liebevolle Präsenz wahrnimmst, der du vertrauen kannst.

 Wenn das deine alltägliche Wahrnehmung wäre - würden sich schwierige Situationen nicht anders anfühlen? Vielleicht nicht leicht. Aber weniger bedrohlich. Weniger sinnlos.

 Aber wie würde das konkret aussehen? Wie könnte man an einen Punkt gelangen, an dem man die Bewegungen des Lebens so positiv empfindet? Schliesslich möchte man ja nicht einfach mit allem einverstanden sein, was passiert. Eine Welt, in der niemand mehr ein klares Gefühl für Ungerechtigkeit hat, wäre wohl auch keine, in der wir leben möchten.

Wie muss man diesen tieferen Sinn, den man in allem spürt, und das Gefühl von "es ist richtig, was passiert" definieren, damit kein Schönreden von allem gemeint ist?

 Indem man das Leben wirklich wahrnimmt.

 Wenn du bereit bist, die Antwort auf die Frage, ob du dem Leben und den Prozessen, die es mit sich bringt wirklich vertrauen kannst, wirklich zu erleben, entdeckst du eine tiefe Wahrheit, die echtes und tiefes Vertrauen schafft. Du beginnst zu erkennen, dass du dich in die Achterbahn des Lebens hineingeben darfst und dass du dabei behütet und getragen bist. Nicht behütet vor schwierigen Gefühlen und Situationen, sondern behütet in einem lebendigen und bewussten grossen Ganzen, von dem du jederzeit Teil bist und das dich immer trägt.

 Das zu erkennen macht dich zu einem mutigen Menschen. Du findest die Kraft, dich den Gefühlen und Umständen zu widmen, die dein Leben erschüttern - und entwickelst Freude daran, dich durch alle Erfahrungen weiterzuentwickeln und zu entfalten.

 Du arbeitest weiterhin daran, dein Leben schöner zu gestalten und Leid so weit wie möglich zu minimieren. Aber dort, wo es existiert, hörst du auf, innerlich dagegen zu kämpfen. Du nimmst dich ihm an und wächst in der Begegnung und in der Verarbeitung des Erlebten.

 Dadurch verändert sich etwas Grundlegendes:
Du kannst schöne Momente wirklich geniessen. Du fühlst dich dir selbst und deinen Nächsten näher. Dein Alltag wird erfüllter und satter. Denn der Widerstand gegen das Unangenehme war immer auch ein Widerstand gegen das Leben als Ganzes.

 Und wie beginnt man damit?

 Mit einem ersten ehrlichen Schritt. Auch der längste Weg wird begangen, indem man einen Fuss vor den anderen setzt.

 Der erste Schritt ist Offenheit für die Möglichkeit, dass Vertrauen ins Leben real sein könnte. Dass du als bewusstes Wesen nicht isoliert in einem leeren Universum existierst, sondern Teil eines lebendigen Ganzen bist.

 Der nächste Schritt ist Ehrlichkeit. Es einfach zu glauben, reicht nicht. Du möchtest es erfahren. Und das bedeutet auch, ehrlich zuzugeben, dass du vielleicht noch nicht weisst, ob du vertrauen kannst. Aber dass du bereit bist, es herauszufinden.

 Dann beginnt die Übung im Alltag.
Du öffnest dich den Situationen und Gefühlen, die dir begegnen. Du erkennst deine Widerstände und lässt sie durch Verständnis und bewusste Zuwendung weicher werden.

 Und du nimmst dir Zeit, wirklich wahrzunehmen. Anstatt nur von To-do zu To-do zu eilen, wirst du stiller. Du erlaubst Kontakt - mit dir selbst, mit anderen Menschen, mit der lebendigen Welt um dich.

 Die Welt ist nicht das, wofür du sie lange gehalten hast. Das Leben ist tiefer, weiter und schöner, als du es hättest erahnen können.

Bist du bereit dich dafür zu öffnen?

Weiter
Weiter

SORGEN UND ANGSTE NEUVERSTEHEN