EIN WIRKLICH REGULIERTES NERVENSYSTEM

Für Menschen, die mit offenen Sinnen und offenem Herz durch das Leben gehen, kann der Alltag sehr aufwühlend sein. Sich genügend Inseln der Erholung zu schaffen, um dem Nervensystem Gelegenheit zu geben, sich zu regulieren, ist deshalb sehr wichtig.

Solche Inseln der Erholung können zum Beispiel Waldspaziergänge sein, Joggen, Schwimmen oder Radfahren in der Natur, ein gutes Buch, ein warmes Bad, eine Tasse Tee ohne Ablenkung, ein Gespräch mit einem guten Freund, Yoga, Pilates und natürlich Meditation oder Atemreisen.

Falls du deinen Alltag bereits so strukturieren konntest, dass solche Elemente fest in den Tagesablauf gehören, könntest du dir ein Leben ohne sie vermutlich nicht mehr vorstellen. Denn der positive Effekt auf die Psyche ist enorm.

Und trotzdem merkst du vermutlich, dass sich ein wirklich reguliertes Nervensystem noch einmal anders anfühlen müsste. Dass ein Teil deiner inneren Spannung doch nie ganz weggeht - und sich das Leben vielleicht trotzdem immer wieder sehr anstrengend und aufwühlend anfühlt.

In den Gruppen, die wir begleiten, sprechen wir von Oberflächenspannung und Tiefenspannung, um klar zu definieren, warum genügend Erholung im Alltag alleine nicht reicht, um in die Ruhe zu finden, nach der man sich sehnt.

Die Oberflächenspannungen sind jene, die sich mit Übungen und Praktiken zur Regulation des Nervensystems lösen lassen. Es ist die Entspannung, die du nach einem warmen Bad, einem Waldspaziergang oder einer Yoga-Session empfindest.

Die Tiefenspannung hingegen liegt - wie der Name sagt - tiefer. Sie lässt sich nicht aktiv lösen, denn ihre Ursache liegt in unverarbeiteten Prägungen und Traumata. Und ein Trauma lässt sich nicht wegentspannen. Es möchte berührt und gesehen werden. Der damit verbundene Schmerz angenommen und verarbeitet, die Geschichte dazu akzeptiert und integriert werden.

Den Alltag so zu strukturieren, dass sich die Oberflächenspannung immer wieder lösen kann, ist deshalb ein wichtiger Schritt - aber ohne tieferführende Aufarbeitung noch kein Weg zu einem wirklich ausgeglichenen Nervensystem.

Und hier - bei der Bereitschaft, sich mit den tieferliegenden Spannungen auseinanderzusetzen - liegt oft auch die grösste Hürde. Nicht von den Schmerzen der Vergangenheit wegzulaufen, um endlich Ruhe zu finden, sondern auf sie zu, kann erst ungewohnt sein. Und dann gibt es ja auch sehr wichtige Fragen zu klären:

  • Was soll man dann mit dem Schmerz und den Erinnerungen tun?

  • Wie lässt sich Tiefenspannung eigentlich ganz genau lösen?

  • Und verändert sich dadurch wirklich das Leben im Alltag?

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VIEL ZU FÜHLEN IST KEINE SCHWÄCHE