WARUM DU NICHT NACH GROSSEN DURCHBRÜCHEN SUCHEN MUSST

Viele Menschen, die ernsthaft an sich arbeiten, kennen irgendwann dieses leise Gefühl: Es wird nicht weniger.

 Das Unverarbeitete in dir gleicht einem Sandberg und deine Bemühungen dich aufzuarbeiten einer kleinen Sandkastenschaufel. Mit jedem Hub den du wegnimmst entsteht kurz ein befreiendes Gefühl - bis die erleichternde Kuhle vom nachrieselnden Sand wieder gefüllt wird.

 Dieses Bild ist in mehrfacher Hinsicht tatsächlich sehr zutreffend. Denn es steigt immer so viel Unverarbeitetes auf, wie Raum da ist. Ob der Raum durch innere Umstände entsteht, weil du etwas berühren und verarbeiten konntest, oder äusserlich, weil du mehr Ruhe und Freiraum in dein Leben bringst - der Raum wird immer wieder erneut mit weiteren zu verarbeitenden Gefühlen gefüllt.

 Und dann - vielleicht der wichtigste Punkt - ist die eigentliche Menge von Gefühlen und Prägungen, die du verarbeitest, oft nicht spürbar. Wenn du schon einmal einen grossen Haufen Sand weggeschaufelt hast, hast du sicher gemerkt, dass es lange den Anschein macht, als würde er nicht schrumpfen - bis du plötzlich erstaunt feststellst, dass er schon fast weg ist.

 Wenn du in der inneren Arbeit mit jedem Schaufelhub den grossen Durchbruch erreichen möchtest, wirst du viel Frustration erleben. Meistens bedeutet innere Arbeit nämlich, einfach täglich weiter in ehrlichen Kontakt mit dem nicht endenden Strom von schwierigen Gefühlen zu gehen und sie so zu nach und nach verarbeiten.

 Wenn du dieses Verarbeiten jedoch als das Spiel des Lebens verstehst und akzeptierst – und Erfüllung in genau dieser alltäglichen Berührung findest –, dann werden die Momente, in denen der ganze Berg ins Rutschen kommt und du plötzlich merkst, wie viel du bereits bewegt hast, zu schönen und überraschenden Augenblicken. Man freut sich über sie, aber sie sind nicht mehr ausschließlich das Ziel, auf das man hinarbeitet. Es sind keine Durchbrüche mehr, die du mit Anspannung und Druck erreichen musst, sondern ein bewusstes Miterleben und ein Sich-Hingeben an all die Prozesse, die in dir geschehen.

 Diese stillere, alltägliche Art der inneren Arbeit ist die effektivste. Denn nichts führt dich so direkt dahin, wo du hin möchtest, wie die Berührung mit dem Strom von Gefühlen und Triggern in deinem Alltag. Denn diese Trigger und Gefühle treten gar nicht so chaotisch und unsortiert auf, wie es erst den Eindruck macht.

 Mit guter Begleitung und genügend Erfahrung beginnst du bald einen Rhythmus darin zu erkennen und die innere Verarbeitung als einen lebendigen Prozess zu spüren, dem du täglich folgst, und der so selbstverständlich wird wie Essen, Trinken und Schlafen. Du merkst, dass du mit deiner kleinen Schaufel - der täglichen Aufmerksamkeit, die du dem laufenden Prozess widmest - genau das richtige Werkzeug hast. Und dass es gar nicht darum geht, so viel wie möglich auf einmal zu bewegen, sondern darum, stets mit dem Prozess mitzugehen.

Und je länger du das tust, desto klarer verinnerlicht sich die Erkenntnis, dass der Berg jeden Tag ein Stück kleiner wird - auch wenn du es nicht immer merkst.

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KLARHEIT INS INNERE CHAOS BRINGEN